Pflegekosten und Finanzierung: Was zahlt die Pflegeversicherung?

Pflege kann teuer sein, und die Pflegeversicherung deckt als Teilleistungsversicherung nicht alle Kosten ab. Dieser Ratgeber gibt einen vollständigen Überblick über alle Leistungen 2026, Eigenanteile und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten.

Was bedeutet „Teilleistungsversicherung" für Pflegebedürftige?

Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen festgelegten Anteil der Pflegekosten. Den Rest, den sogenannten Eigenanteil, tragen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen selbst. Reicht das eigene Einkommen und Vermögen nicht aus, springt das Sozialamt mit der „Hilfe zur Pflege" ein.


Welche Leistungen gibt es 2026 bei ambulanter Pflege?

Alle Beträge gemäß GKV-Spitzenverband, Stand 2026 (Quelle: GKV-Spitzenverband, 2026):

PflegegradPflegegeldSachleistungEntlastung
Pflegegrad 1131 €
Pflegegrad 2347 €796 €131 €
Pflegegrad 3599 €1.497 €131 €
Pflegegrad 4800 €1.859 €131 €
Pflegegrad 5990 €2.299 €131 €

Pflegegeld wird ausgezahlt, wenn Angehörige pflegen. Pflegesachleistungen werden direkt an den professionellen Pflegedienst gezahlt. Beide können als Kombinationsleistung genutzt werden.


Wie funktionieren Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?

Kurzzeitpflege

Max. Dauer:8 Wochen/Jahr
Leistung:aus dem gemeinsamen Jahresbetrag

Für vorübergehende vollstationäre Pflege, z. B. nach Krankenhausaufenthalt oder bei Urlaub der Angehörigen.

Verhinderungspflege

Max. Dauer:8 Wochen/Jahr
Leistung:aus dem gemeinsamen Jahresbetrag

Ersatzpflege wenn die private Pflegeperson verhindert ist, auch stundenweise möglich, ohne Vorpflegezeit.

Gemeinsamer Jahresbetrag: Seit dem 1. Juli 2025 stehen für beide Leistungen zusammen 3.539 € pro Kalenderjahr zur Verfügung (§ 42a SGB XI), ab Pflegegrad 2 und flexibel aufteilbar. Bei Verhinderungspflege durch nahe Angehörige ist der Betrag auf das 2-fache des Monatspflegegelds begrenzt.


Welche zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Staatliche Unterstützung

  • Sozialamt (Hilfe zur Pflege, § 61 SGB XII): Wenn Einkommen und Vermögen nicht ausreichen. Schonvermögen ca. 10.000 € (Einzelperson). Elternunterhalt erst ab 100.000 € Jahreseinkommen der Kinder (Angehörigen-Entlastungsgesetz, seit 2020) (Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2024).
  • Steuerliche Absetzbarkeit: Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG), Pflegepauschbetrag 600–1.800 €/Jahr nach Pflegegrad (§ 33b EStG), haushaltsnahe Dienstleistungen mit 20 % von bis 20.000 € Lohnkosten (max. 4.000 €/Jahr) (Quelle: Bundesministerium der Finanzen, 2025).

Private Vorsorge und Zuschüsse

  • Private Pflegezusatzversicherung: Ergänzt die gesetzliche Pflegeversicherung. Je früher abgeschlossen, desto günstiger die Beiträge.
  • Wohnraumanpassung: Bis zu 4.180 € Zuschuss pro Maßnahme für barrierefreien Umbau (z. B. Dusche ebenerdig, Treppenlift) nach § 40 Abs. 4 SGB XI.
  • Pflegehilfsmittel: Bis zu 42 €/Monat für Verbrauchsmaterial wie Handschuhe, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen nach § 40 Abs. 2 SGB XI.

Wie sieht ein konkretes Kostenbeispiel aus?

Kosten Pflegedienst (monatlich)2.000 €
Pflegesachleistung (PG 3)– 1.497 €
Entlastungsbetrag– 131 €
Eigenanteil372 €

Dies ist ein vereinfachtes Rechenbeispiel. Die tatsächlichen Kosten hängen von Pflegeumfang, Region und Anbieter ab. Lassen Sie sich individuell beraten.


Welche Spartipps gibt es für pflegende Angehörige?

  • Kombinationsleistung nutzen: Pflegegeld und Sachleistung kombinieren, um das Optimum herauszuholen
  • Entlastungsbetrag nicht verfallen lassen: Übertragbar bis 30. Juni des Folgejahres
  • Verhinderungspflege stundenweise nutzen: Für regelmäßige Auszeiten ohne Anrechnung auf das Pflegegeld (bei unter 8 Stunden/Tag)
  • Pflegehilfsmittel-Box beantragen: Monatliche Lieferung von Verbrauchsmaterial auf Kassenkosten
  • Steuererklärung machen: Pflegepauschbetrag und haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen

Häufige Fragen

Wie viel kostet ambulante Pflege im Monat?

Die Kosten variieren je nach Umfang stark, typischerweise zwischen 500 und 3.000 € monatlich. Die Pflegekasse übernimmt einen Teil über Sachleistungen, den Rest tragen Sie als Eigenanteil.

Was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistung?

Pflegegeld erhalten Sie, wenn Angehörige pflegen. Pflegesachleistungen werden direkt an professionelle Pflegedienste gezahlt. Beide können als Kombinationsleistung anteilig genutzt werden.

Müssen Kinder für die Pflege der Eltern zahlen?

Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz 2020 nur, wenn das Bruttojahreseinkommen des einzelnen Kindes über 100.000 € liegt. Darunter übernimmt das Sozialamt die Kosten über Hilfe zur Pflege.

Kann ich Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege kombinieren?

Ja. Seit dem 1. Juli 2025 gibt es dafür den gemeinsamen Jahresbetrag von 3.539 € pro Kalenderjahr (§ 42a SGB XI), den Sie flexibel auf beide Leistungen aufteilen können. Eine Umwidmung zwischen getrennten Budgets ist nicht mehr nötig.

Welche Pflegekosten kann ich von der Steuer absetzen?

Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung, den Pflegepauschbetrag (600–1.800 € je nach Pflegegrad), und haushaltsnahe Dienstleistungen bis 4.000 € pro Jahr. Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater.

Autor: Redaktion pflegevergleich.info, Pflege-Redaktion. Veröffentlicht: 2025-11-10.